Human Capital Trend Studie 2019: Der Mensch als Schlüssel zur Erneuerung

Schon bei unseren ersten eigenen Unternehmensstudien in den 90er Jahren konnten wir belegen, dass Organisationen mit einer mitarbeiterorientierten Führung und Kultur wirtschaftlich deutlich erfolgreicher als andere sind und eine höhere Attraktivität als Arbeitgeber genießen. Damit waren wir unserer Zeit voraus. Eine gerade veröffentliche Studie des Beratungshauses Deloitte erkennt heute sogar einen Trend zur „sozialen Organisation“.

Angesichts eines ständigen Erneuerungsdrucks in einer komplexer werdenden Welt müssen sich Organisationen immer wieder hinterfragen und bisweilen auch “völlig neu erfinden”. So beschreibt das englische Akronym VUCA den immer schwierigeren Rahmen der Unternehmensführung. Das heutige Umfeld ist oft extrem wandelbar (V für volatile), unsicher (U für uncertain), komplex (C für  complex) und mehrdeutig (A für ambiguous). Dabei stoßen herkömmliche Formen der Zusammenarbeit und Veränderung schnell an ihre Grenzen. Die jährlich erscheinende globale Human Capital Trendstudie von Deloitte zeigt in ihrer neuesten Ausgabe, dass sich viele erfolgreiche Unternehmen in den letzten Jahren immer mehr zu „sozialen Organisationen“ entwickelt haben. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht nur die Ziele Umsatz- und Gewinnmaximierung im Blick haben, sondern zugleich ihre Umwelt und ihr Stakeholder-Netzwerk respektieren und aktiv unterstützen.

„Soziale Organisation“ als neue ökonomische Realität

Was zunächst wie eine gesellschaftliche und unternehmerische Utopie klingt, wird vor dem Hintergrund aktuell zu beobachtender allgemeiner und makroökonomischer Entwicklungen zunehmend zur ernsthaften Handlungsoption, wenn nicht gar zur Notwendigkeit. So müssen sich zum Beispiel Unternehmen aktiv der Diskussion um Dieselskandale, Fahrverbote und Emissionen stellen. Interessant: Während viele Organisationen eine mögliche CO2-Steuer fürchten und auf Ausgleich hoffen (Handelsblatt, 14.07.19), gibt es unter deutschen Top-Managern auch erste Fürsprecher (Focus, 12.07.19). Manche Unternehmen gehen das Thema aktiv und öffentlichkeitswirksam an und melden, wie die Münchener Rückversicherung schon seit klimaneutral zu arbeiten oder wie SAP es bald zu tun (Wirtschaftswoche, 29.07.19).

Auch an anderer Stelle wird der Trend hin zur „sozialen Organisation“ sichtbar. So werden im Zusammenhang mit #Digitalisierung und #Industrie4.0 eifrig Begriffe wie #Agilität oder #NewWork diskutiert sowie neue Formen der Zusammenarbeit ausprobiert und gelebt. Dabei ergeben sich für die einzelnen Mitarbeitenden bisher ungeahnte Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten jenseits klassischer Hierarchien, die es aber auch zu nutzen und passend zu gestalten gilt. Insofern ist die soziale Organisation ein ständiges Lern- und Entwicklungsfeld für alle Beteiligten. So gilt es für Unternehmen, eine Kultur zu entwickeln, in der man sich immer wieder neu hinterfragt und sich grundlegend erneuert. Diese betrifft fast alle Bereiche des Personalmanagements: die Art des Lernens, die Employee-Experience und Vergütung, das Leadership oder die Gestaltung von Arbeit und Teams – um nur einige zu nennen.

Führung und Unternehmenskultur als Basis für Innovation

Doch der Weg zur erfolgreichen sozialen Organisation ist lang und bedarf der ständigen Mitwirkung aller Beteiligten. Daher widmen sich die „Deloitte Human Capital Trends“ speziell den Herausforderungen für Führung und Management, die mit dem neuen Organisationstypus einhergehen – und geben konkrete Hinweise, was zu tun ist.

Eine erweiterte Übersicht zu den Human Capital Trends 2019 finden Sie hier. Auch steht die komplette Deloitte Studie hier zum Download bereit.

So spannend und lesenswert diese Trends sind, wirklich überraschend sind sie nicht. Unsere Studien belegen schon seit langem, dass eine innovative Unternehmenskultur und eine professionelle Mitarbeiterführung Schlüsselgrößen für den wirtschaftlichen Erfolg von Organisationen sind. Dabei haben wir an den Universitäten in Kiel und München zusammen mit Professor Dr. Dieter Frey dessen „Prinzipienmodell der Führung“ weiterentwickelt und Ansätze beschrieben, wie sich eine Organisation zu einem Center of Excellence entwickeln kann (mehr dazu in diesem Übersichtsartikel). Dabei gilt damals wie heute:

Mitarbeiterorientierte Führung und eine entsprechende Unternehmenskultur sind kein nettes Beiwerk, sondern unbedingte Voraussetzungen für Innovationsfähigkeit und wirtschaftlichen Erfolg.

Hintergrund: Die jährlich erscheinende globale Human Capital Trendstudie von Deloitte basiert in der aktuellen Auflage auf der Befragung von fast 10.000 Teilnehmern aus 119 Ländern. Die Ergebnisse zeigen die aktuellen Herausforderungen von Unternehmen und insbesondere von HR in einer Zeit tiefgreifender und anhaltender ökonomischer, sozialer und politischer Veränderungen auf.

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